KEROSyN100: In die Luft mit grünem Kraftstoff

Unter der Leitung der Universität Bremen nimmt die Raffinerie Heide dieser Tage gemeinsam mit fünf Partnern aus Industrie und Wissenschaft die Arbeiten an dem Forschungsprojekt KEROSyN100 auf. Ziel des Projektes ist die Entwicklung und Herstellung von umweltfreundlichem, synthetischem Kerosin. Dieses wird auch als strombasierter Kraftstoff bezeichnet und soll beispielsweise in der Luftfahrt zur Anwendung kommen. Gelingt es dem Projekt Möglichkeiten einer Herstellung von Luftfahrttreibstoffen mittels aus grünem Windstrom erzeugten Wasserstoffs darzustellen, wäre dies eine vielversprechende Option für mehr Klimaschutz im Luftverkehr. Das auf drei Jahre angelegte Verbundprojekt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie mit 4,2 Millionen Euro gefördert.

Wie das Ende 2017 gestartete Forschungsprojekt QUARREE10, das für das Heider Stadtquartier Rüsdorfer Kamp eine regenerative Energieversorgung entwickelt, ist auch KEROSyN100 Teil der technologischen Projekt-Initiative ENTREE100 der Entwicklungsagentur Region Heide. Die Agentur mit Sitz in Heide begleitet das Projekt als assoziierter Partner und sorgt unter anderem für eine weitergehende Vernetzung mit regionalen Forschungseinrichtungen wie der FH Westküste sowie anderen Partnern aus Wirtschaft, Forschung und öffentlicher Verwaltung.

Geschäftsführer Dirk Burmeister: „Die Speicherung und Nutzbarmachung überschüssiger regionaler Windenergie durch Umwandlung in „grünen“ Wasserstoff sowie die Integration verschiedener Sektoren der Energiewirtschaft sind verbindende Elemente von QUARREE100 und KEROSyN100.“ Gerade das Thema Wasserstoff sieht Burmeister als große Chance für den Aufbau neuer Wertschöpfungsketten an der windreichen Westküste Schleswig-Holsteins, die Schaffung neuer Arbeitsplätze sowie der Entwicklung der gesamten Region.

Wesentliche Aufgabe der Raffinerie Heide im Rahmen von KEROSyN100 wird die Klärung der Frage sein, unter welchen technologischen und wirtschaftlichen Bedingungen sich eine Anlage für die Produktion von synthetischem Kraftstoff in die Raffinerie integrieren lässt. Da hierfür die Nutzung von Windenergie angestrebt wird, bringt die Raffinerie Heide mit zahlreichen Windkraftanlagen in der direkten Nachbarschaft einen Standortvorteil mit sich. Mit einer installierten Leistung von rund 1,5 Gigawatt sowie der Energieproduktion an der Westküste insgesamt, zählt die Region Heide europaweit zu den führenden Erzeugern erneuerbarer Energie.

Eine besondere Bedeutung kommt dem Projekt zudem durch die erstmalige Entwicklung eines neuartigen Syntheseverfahrens auf Basis von Methanol zu. Hierdurch erhoffen sich alle Partner eine deutlich verbesserte Effizienz in der zukünftigen Produktion von Kerosin – auf Basis von Windstrom und CO2, welches damit klimaschonend im Kreislauf geführt werden kann.

„Unser Standort ist perfekt für die Umwandlung von Strom in regenerativen Treibstoffe geeignet: Direkt vor unserer Haustür befindet sich ein Umspannwerk der Westküstenleitung - bildlich gesprochen – eine riesige „grüne Steckdose“, die uns mit erneuerbarer Energie versorgen kann. Dank unserer gut ausgebildeten Belegschaft verfügen wir zudem über viel Erfahrung mit den technischen und chemischen Fragestellungen, die nun in einem neuen Kontext erforscht und umgesetzt werden sollen“, erläutert Jürgen Wollschläger, Geschäftsführer der Raffinerie Heide GmbH.

Die Raffinerie Heide verfügt über eine Verarbeitungskapazität von 4,5 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr, so viel wie der komplette Mineralölbedarf Schleswig-Holsteins. Das Unternehmen produziert klassische Mineralölerzeugnisse wie Ottokraftstoffe, Diesel- und eben auch Flugkraftstoff. Mit rund 530 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und 30 Auszubildenden zählt die Raffinerie Heide zu den größten Arbeitgebern in Dithmarschen, Schleswig-Holstein.

KEROSyN100 erweitert die Zusammenarbeit der Raffinerie mit der 2013 gegründeten Entwicklungsagentur Region Heide um einen zukunftsweisenden Baustein. Als Anstalt des öffentlichen Rechts wird die Agentur zu gleichen Teilen von der Dithmarscher Kreisstadt Heide und den elf Gemeinden des Amtes Heider Umland finanziert. Ihre Aufgabe ist die Entwicklung und Koordinierung gemeinsamer Zukunftsprojekte der Region, in der über 37.000 Menschen leben. Die fortgeschrittene Kooperation der Stadt-Umland-Region gilt landesweit als vorbildlich.

Weitere Informationen zum Forschungsprojekt KEROSyN100 entnehmen Sie gerne der Pressemitteilung der Universität Bremen:

www.uni-bremen.de/de/universitaet/presse/pressemitteilungen/detailansicht/news/detail/News/zukunftstraum-mit-gr%C3%BCnem-treibstoff-fliegen/


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